Studio-Shooting. Modell und Visa bereit — drei Stunden später sind 400 RAW+JPEG-Pärchen auf der Karte. Setting für Setting durchgeshootet, das Licht zwischen den Settings umgebaut, fünf insgesamt, je 60–100 Frames. Am Ende soll ein Final-Set von rund 15 Bildern zur Bearbeitung übrig bleiben. Ohne stundenlanges Hin und Her — und mit allen drei Stimmen aus dem Set.
So sieht mein Workflow dafür aus.
Was People in meinem Workflow ausmacht
- Hybrid-Capture RAW+JPEG. RAW für die Bearbeitungs-Flexibilität, JPEG für später als datensparsamen Archiv-Ersatz.
- Settings als Strukturierung. 3–5 Settings pro Shooting, je 60–100 Frames. Bewertung läuft kollaborativ in der Gruppe, pro Setting.
- Pose und Ausdruck als Auswahlkriterium. Schärfe ist Voraussetzung, aber entschieden wird über ein zusammengesetztes Bild: Pose, Mundwinkel, Augenkontakt, Hände, Gesamthaltung.
- Drei Bewerter-Perspektiven. Modell, Visa, Fotograf — jeder schaut auf etwas anderes, alle bewerten parallel.
- Hartes Sortieren danach. 1-Stern und Rejects werden gelöscht. Mein Archiv soll nicht alles ohne Zweck behalten.
Warum Hybrid RAW+JPEG
Hybrid-Capture ist im People-Bereich keine Selbstverständlichkeit — die meisten schießen nur RAW. Meine zwei Gründe:
RAW ist die Bearbeitungs-Grundlage. Haut-Retusche, Color-Grading, Tonwerte — alles braucht den vollen Spielraum.
JPEG dient später dem Archiv. Wenn ein Shooting durch ist und die Auswahl bearbeitet, lösche ich bei normalen Shootings die meisten RAWs. Übrig bleiben die bearbeiteten Versionen plus die Original-JPEGs aus der Kamera. Wenn ich Jahre später nochmal an ein Bild ran muss, habe ich den Original-Stand als JPEG-Referenz, ohne dass das Archiv unter den RAWs erstickt. Bei wichtigen Shootings (Editorials, Highlights, langfristige Kunden) bleiben die RAWs natürlich liegen.
Die JPEGs für die Bewertungsrunde sind übrigens etwas anderes — die exportiere ich aus Lightroom aus den RAWs, gezielt fürs Bewerten.
Drei Perspektiven, eine Auswahl
Die Bewertungsrunde läuft in Nextcloud + StarRate. Ich exportiere die Bewertungs-JPEGs aus Lightroom und spiele sie nach NC raus. Modell und — wenn dabei — Visa bekommen einen Gast-Share-Link, kein Account nötig.
Jeder bewertet aus seiner Perspektive:
- Modell schaut auf Pose, Outfit, Ausdruck — was sie an sich selbst sehen will.
- Visa (wenn dabei) schaut auf das Make-up — Sitz, Symmetrie, Verlauf.
- Ich bewerte mit StarRate im selben Ordner — Licht, Bildgestaltung, Gesamteindruck.
Alle drei nutzen dasselbe Tool, im Browser, ob am Desktop, auf dem Tablet oder am Handy. Die Sterne und Picks landen direkt im JPEG als XMP-Metadaten. Am Ende steht eine konsolidierte Picks-Liste mit den Files, die behalten werden.
Die ganze Story dahinter steht im Nextcloud-Foto-Workflow-Artikel.
Hart aussortieren statt sammeln
1-Stern und Rejects werden gelöscht. Keine "vielleicht behalte ich es doch noch"-Sicherheitskopien.
Das ist Bereinigung — die Fehlshoots, die unscharfen Frames, die Zwinker-Aufnahmen. Datenmüll, der einmal raus muss. Wer das mitschleppt, baut sich über die Jahre ein Archiv, in dem die guten Aufnahmen zwischen 90% Ausschuss verschwinden.
Bearbeitung und Retusche
Für die Bearbeitung nehme ich die ausgewählten RAW+JPEG-Pärchen in Lightroom. Erst Licht und Farbe pro Setting mit Preset oder Settings-Kopie auf alle Bilder — gleiche Stimmung, konsistenter Stil. Dann pro Bild Feinjustierung, soweit nötig.
Wenn aufwendigere Haut-Retusche oder Composing dazukommt, gehe ich in Photoshop. Bei den meisten Bildern reicht aber LR.
Archiv-Einstellung
Nach der Bearbeitung entsteht das Archiv:
- Normale Shootings: bearbeitete JPEGs plus die Hybrid-JPEGs aus der Kamera. RAWs werden gelöscht.
- Wichtige Shootings (Editorials, Highlights, langfristige Kunden): bearbeitete JPEGs plus Hybrid-JPEGs plus RAWs.
Grund: ein People-Archiv über Jahre wird sonst zur Speicher-Hölle. Mit dieser Einstellung bleibt es überschaubar, und ich kann jederzeit auf die Original-Stände zurück, ohne dass jedes normale Shooting 50 GB RAW-Dateien kostet.
Was nimmst du wann?
Knapp:
- StarRate für die Bewertungsrunde mit Modell und Visa. Browser, Desktop oder Mobil. Bewertungen landen direkt im JPEG.
- FlashView als schneller Bild-Viewer im aktuellen Shooting und beim späteren Stöbern im Archiv. Filtert nach den XMP-Bewertungen, browst auch rekursiv über alle Shootings durch.
- Lightroom für die Bearbeitung. Erst Preset pro Setting, dann Feinjustierung.
- Photoshop für aufwendigere Haut-Retusche oder Composing — bei mir selten, aber wenn, dann hier.
Was übrig bleibt
Studio-Shooting feierabends. Am nächsten Tag können die Beteiligten schon die Bilder sehen und bewerten.
Wer FlashView dafür ausprobieren möchte, findet es unter flashview.net. StarRate gibt's kostenlos im Nextcloud-App-Store, Details auf der StarRate-Seite.