Nextcloud als Foto-Heimat — was geht heute (und was noch fehlt)

Zwei Personen-Symbole — Fotograf:in (gold) und Modell/Kund:in (blau) — bewerten gemeinsam ein Foto, Sterne fließen zwischen beiden auf eine Foto-Card in der Mitte.

Du hast Nextcloud vermutlich schon laufen — vor allem fürs Teilen von Dateien. Ordner mit Kollegen, Dokumente mit Kunden, Termine im Team. Genau das ist die NC-DNA: nicht nur speichern, sondern zusammen arbeiten.

Aber gerade für Fotos hört diese Kollaboration auf, sobald es um mehr geht als "gemeinsam anschauen". Sichten, bewerten, gemeinsam aussortieren — was bei Dateien und Dokumenten selbstverständlich ist, fehlt in der Nextcloud-Fotos-App komplett.

Genau diese Lücke füllt StarRate. Und der Workflow, der dadurch möglich wird, ist nicht nur das, was Nextcloud für Fotos versprochen hat — er übertrifft sogar das, was du mit Lightroom alleine je gehabt hast.

Der Workflow, der jeden Mal nervt

Wer mit Modellen oder Kunden arbeitet, kennt das Muster. Du machst ein Shooting, sortierst grob vor, lädst die Vorschauen in einen geteilten Ordner und schickst den Link weiter. Modell oder Brautpaar schaut sich's an, pickt die Lieblinge raus, schickt dir die Liste per WhatsApp oder E-Mail zurück. "Bild 0034, 0067, 0089, 0102 …".

Du sitzt vor Lightroom und tippst die Liste manuell ein. Stern hier, Farbmarkierung da. Dann bearbeitest du die Auswahl. Dann lädst du das Ergebnis hoch. Dann schickst du wieder einen Share-Link.

Das funktioniert. Aber es nervt. Drei manuelle Übergaben zwischen zwei Menschen — und in jeder Übergabe ein bisschen Reibung. Vergessene Bildnummern, Tippfehler, Missverständnisse bei doppelter Nummerierung, zerstreute WhatsApp-Verläufe. Und das gefühlt jedes Mal.

Wenn das Bewerten zur Zwei-Richtung wird

Genau für dieses Muster ist StarRate entstanden — eine kostenlose Nextcloud-App, die genau eine Sache macht: Foto-Bewertung im Browser.

Das Modell oder der Kunde bekommt einen Gast-Share-Link. Keine Anmeldung nötig, kein Nextcloud-Account, kein App-Download. Im Browser öffnet sich der Ordner, deine Vorschauen sind da. Mit der Tastatur durch die Bilder blättern, mit den Zifferntasten Sterne vergeben, mit P einen Pick markieren. Genau wie in Lightroom, nur ohne Lightroom.

Und jetzt kommt der Punkt, an dem das Tippen wegfällt: Die Bewertungen landen direkt in den XMP-Metadaten des JPEGs. Nicht in einer separaten Datenbank, nicht in einer externen Liste — in der Datei selbst. In Lightroom machst du "Metadaten neu lesen", und alle Picks deines Models sind da. Mit Sternen, mit Farbmarkierungen, alles. Kein manuelles Übertragen, keine Doppel-Pflege.

Der kollaborative Culling-Workflow

Hier wird's spannend. Sobald das Bewerten zur Zwei-Richtung wird, kannst du den Cull-Prozess aufteilen.

Mein eigener Ablauf mit Model-Shoots: Das Modell macht den ersten Pass. Sie schaut auf das, was sie am besten beurteilen kann — Make-up, Pose, ob ihr Gesicht so wirkt wie sie es haben will. Vergibt Sterne nach ihrem Geschmack.

Dann mache ich den zweiten Pass. Ich schaue auf das, was ich als Fotograf beurteilen kann — Licht, Schärfe, Komposition, Perspektive. Sehe dabei ihre Sterne mit, denn ihre Bewertung steht ja schon in der Datei. Wo wir beide vier oder fünf Sterne vergeben haben, ist die Schnittmenge.

Was vorher ein 30-Minuten-Block "Liste eintippen + abgleichen" war, ist jetzt ein Klick: Metadaten neu lesen. Die konsolidierte Auswahl ist da, ich kann direkt mit dem Bearbeiten anfangen.

Skaliert auf Hochzeit, Event, jede Kundeninteraktion

Dasselbe Muster trägt bei Wedding-Shootings. Das Brautpaar bekommt einen Gast-Link mit allen Vorschauen, bewertet seine Lieblinge — emotional, aus ihrer Sicht. Du machst den fotografischen Pass — technisch, aus deiner Sicht. Eure Schnittmenge ist die Auswahl fürs Hochzeitsalbum.

Bei Event-Fotografie genauso: Veranstalter pickt die PR-Momente, du pickst die kompositorisch starken Aufnahmen. Beide Listen treffen sich in einer Datei.

Für die Weitergabe an Druckereien oder Album-Dienstleister gibt's einen Listen-Export — die Auswahl wandert sauber in den nächsten Workflow, ohne dass du wieder Bildnummern abtippen musst.

Was sonst noch im Self-hosted-Foto-Bereich passiert

Nextcloud ist nicht der einzige Player für selbst gehostete Fotos. Immich ist der aktuelle Hype, sehr polished, starke Mobile-App. PhotoPrism ist der etablierte Konkurrent. Beide haben ihren Charme.

Aber sie sind eigene Foto-Welten mit eigenen Datenbanken. Wer dort einsteigt, importiert seine Fotos in ein neues Silo. Die Bilder gehören nicht mehr zur Ordnerstruktur, in der sie vorher lebten — sie gehören zur App.

Nextcloud bleibt dateibasiert. Dein Foto-Ordner liegt da, wo du ihn hingelegt hast, als Files im Dateisystem. Und im NC-App-Store ist StarRate die einzige App, die XMP-Bewertungen direkt in diese Files schreibt. Wer Nextcloud betreibt und seine Fotos als Dateien behalten will, hat in dieser Kombination keine andere Wahl — aber er braucht auch keine andere.

Mobil unterwegs schnell durchschauen

Die Browser-View ist auf Mobilgeräten optimiert. Wischen, um durchzublättern. Zwei-Finger-Zoom, um Details zu prüfen. Tippen auf Sterne. Funktioniert in jedem Browser, ohne extra App-Installation.

In der Bahn unterwegs noch schnell durch den gestrigen Shoot scrollen und die offensichtlichen Picks markieren — kein Problem. Wenn du später am Desktop weitermachst, sind deine mobilen Bewertungen schon da.

Was geht (gut), was (noch) nicht

Ehrlich, weil keine Lösung alles kann:

  • Geht gut: Sichten und Bewerten mit Sternen (0–5), Farbmarken und Pick/Reject. Filtern wie in Lightroom — nach Sternen mit ≤/=/≥, nach Farbe, nach Picks oder Rejects. Gast-Sharing ohne Account. XMP direkt im JPEG (Lightroom liest sofort). Listen-Export für Druckereien oder Album-Dienste. Mobil-optimierte Browser-Ansicht. Rekursiv auch über tief verschachtelte Sammlungen.
  • Geht (noch) nicht: Kein RAW — Nextcloud dekodiert keine RAW-Dateien, du arbeitest mit JPEG-Vorschauen, die du vorher exportierst.

Wer KI-Gesichtserkennung und automatisches Sortieren nach Personen will, ist mit Apple Fotos oder Immich besser bedient — das ist nicht unser Fokus. Wer seine Fotos ernsthaft bewerten und gemeinsam auswählen will und Wert darauf legt, dass die Bewertungen mit der Datei wandern statt in einer App-DB festzustecken, ist hier richtig.

Wenn du auch Windows-Desktop nutzt

Kurzer Quervermerk: Wer zusätzlich auf dem Windows-Desktop sichtet — etwa RAW-Material vor dem Hochladen in Nextcloud — kann FlashView als Desktop-Pendant nutzen. Beide Tools schreiben XMP nach demselben Standard. Sterne aus FlashView erscheinen in StarRate und umgekehrt, ohne Konvertierung. Kein Lock-in, beide Werkzeuge bleiben austauschbar.

Was übrig bleibt

Zurück zum Nextcloud-Nutzer vom Anfang. Du kannst das Häkchen jetzt setzen: Fotos rein. Sichten geht. Bewerten geht. Sharing geht. Und der Bonus: Models und Kunden bekommen das Erlebnis "ich werde gefragt, ich kann selbst mit auswählen" — statt "ich tippe Bildnummern in WhatsApp und hoffe, dass nichts verloren geht".

Self-hosted, file-based, kollaborativ. Wenn das nach dem Workflow klingt, den du wirklich willst, ist StarRate kostenlos im Nextcloud-App-Store. Installieren, einen Bildordner öffnen, fertig.